Park+Ride


Parken am Cottbuser Hauptbahnhof

Das Problem
Unsere Luftaufnahme zeigt, dass zumindest an Wochentagen beide Parkplätze am Hauptbahnhof nahezu komplett belegt sind. Und auch alle Parkmöglichkeiten in anliegenden Straßen sind
weitgehend ausgelastet, sofern Parken hier kostenfrei ist. Offenbar besteht hoher Bedarf an kostenfreiem Parkraum in Bahnhofsnähe.
Zu vermuten ist dabei, dass nicht alle Parkplätze nur von Reisenden belegt werden, sondern dass der kostenfreie Parkplatz auch Nutzer der Pückler-Passage und der medizinischen Einrichtungen in der Nähe des Bahnhofs anzieht.
Zur Erinnerung:
Der westliche Parkplatz wurde als Ersatz für den östlichen gebaut, der ja bekanntlich den „Zentralen Verkehrsknotenpunkt Hauptbahnhof“ aufnehmen soll.

Die Frage ist nun:
Was passiert, wenn die Baumaßnahmen zum „Zentralen Verkehrsknotenpunkt“ beginnen, der östliche Parkplatz also gesperrt wird?
Zunächst wird wohl massive Kritik laut werden, denn die Autofahrer haben sich inzwischen an das relativ großzügige Parkplatzangebot gewöhnt.
Sollte sich nun die Stadtverwaltung im Vorfeld der Baumaßnahmen oder auch danach auf diese Situation einstellen und einen weiteren Parkplatz oder gar ein Parkhaus bauen?
Wir meinen: Nein!
Denn innerstädtische Grundstücke sind teuer, Parkflächen sind Raumfresser und unansehnlich. Ein Parkhaus aber ist gebührenpflichtig: Wie viele Autofahrer werden bereit sein, die hier entstehenden Parkgebühren zu entrichten (zumal Pendler teuer ganztägig parken müssten)?

Was also wird ohne zusätzlichen Parkraum passieren?
Vermutlich kommen folgende Varianten zum Tragen:
1. Einige Bahnreisende, insbesondere außerstädtische, werden gänzlich auf den öffentlichen Verkehr verzichten und gleich mit dem eigenen Fahrzeug zu ihren Zielen fahren.
2. Außerstädtische Nutzer könnten ihre Fahrzeuge am Stadtrand stehen lassen und mit dem ÖPNV weiter in die Stadt fahren.
3. Cottbuser könnten mit den ÖPNV den Bahnhof erreichen, zu Fuß oder mit dem Rad zum Bahnhof kommen.
Aus Gründen des Umweltschutzes und im Interesse einer fußgängerfreundlichen Stadt plädieren wir für die Varianten 2 und 3.

Doch:
Wie sieht es mit P+R-Plätzen in Cottbus aus?
Nach unseren Recherchen ist die Situation nicht besonders erfreulich.
Zunächst einmal fehlt ein P+R-Leitsystem komplett.
Aber auch vorhandene P+R-Plätze sind weder entsprechend ausgewiesen noch mit den notwendigen Hinweisschildern versehen.
Auch fehlt es teilweise an ausreichend Raum für P+R-Plätze. Aber muss denn ein P+R-Platz ausschließlich an der Endhaltestelle einer Linie liegen? Es ist doch auch sinnvoll, wenn er einige Haltestellen von der Endhaltestelle entfernt ist, sofern dort das Raumangebot besser aussieht.
Für auswärtige Besucher einer Stadt ist die Darstellung der P+P-Plätze im Internet immer sehr sinnvoll. Das sollte auch für Cottbus realisiert werden, wenn denn die Stadt ein P+R-Konzept realisiert.
Die Stadtverwaltung könnte ferner das P+R-Problem auch mit dem Problem Stadtrückbau kombinieren, konkret: Wenn schon Häuser abgerissen werden müssen, dann womöglich dort, wo anschließend ein P+R-Platz sinnvoll entstehen könnte.

Vorschläge für P+R-Plätze:
Karte zur Übersicht (pdf-Datei)
  • Einfahrende aus Richtung Peitz/Guben finden einen ausreichend großen Parkplatz in unmittelbarer Nähe zu einer Tram-Haltestelle: am TKC-Center (Grafik: PR1). Der Platz gehört zwar nicht der Stadt, aber hier ließe sich sicherlich ein Kompromiss finden.
  • Für Einreisende aus Richtung Forst sieht es ziemlich mau aus. Hier könnte man zunächst im Innenraum der Schleife in Sandow einen P+R-Platz bauen (PR2), zudem bestünde außerdem die Möglichkeit, vom angrenzenden Haltepunkt aus gleich mit dem Zug weiter zu fahren. Alternativ wäre der vorhandene Parkplatz Sandower Dreieck (PR11), der nur bei Messen und bei Energie-Spielen umfassend belegt ist, nutzbar. Von Dort ist der Weg zur Tram-Haltestelle jedoch etwas weiter, dafür ist die Erreichbarkeit vom Stadtring hervorragend.
  • Aus Richtung Spremberg ist unseres Wissens im Bereich der Endhaltestelle Madlow aus Platzgründen nur ein leider zu kleiner Parkplatz geplant. Doch ließe sich der südliche Südfriedhof-Parkplatz nicht entsprechend erweitern (PR3)?
  • Einfahrende aus Richtung Drebkau/Senftenberg könnten in der Nähe der Endhaltestelle Sachsendorf parken, dort ist ausreichend Platz vorhanden (PR4). Doch ist die Zufahrt relativ lang. Der vorhandene P+R-Platz am Autohaus Förster (PR5) wird schlecht genutzt. Möglicherweise liegt das an den fehlenden Hinweisschildern. Diese fehlen auch an einem vorhandenen Parkplatz an der Wendeschleife nahe der Kreuzung Thiemstraße/Hermann-Löhns-Straße (PR6).
  • Aus Richtung Kolkwitz/Vetschau wäre die Erweiterung der bestehenden Parkfläche an der Endhaltestelle Ströbitz denkbar (PR7). Den nur freitags betriebenen Wochenmarkt könnte man eventuell auf die Freifläche zwischen Berliner und Karl-Liebknecht Straße verlagern (Wo-M).
  • Aus Richtung Burg wäre ein P+R-Platz auf der Süd-Ost-Ecke des ehemaligen Flugplatzes denkbar, sofern man auf den vorhandenen Garagenkomplex verzichten kann (PR8). Alternativ dazu könnte der Lagune-Parkplatz benutzt werden (PR12). In beiden Fällen stehen allerdings nur mäßig gut getaktete Buslinien zur Verfügung.
  • Aus Richtung Döbbrick wäre ein P+R-Platz auf einem Gelände nördlich der Mozartstraße denkbar, anstelle der dort befindlichen, augenscheinlich ungenutzten Baracke und deren Umfeld (PR9). In diesem Zusammenhang erinnern wir an die schon vor längerem getroffene Empfehlung, die Taktung der Linie 1 an die übrigen Tramlinien anzupassen (15-Minutentakt), der jetzige 20-Minutentakt führt zu ungünstigen Umstiegsbedingungen und ist damit nutzerunfreundlich.
  • PKW aus Richtung Sielow finden in der Regel ausreichend Platz auf dem Kaufland-Parkplatz (PR10). Hier müsste auch ein Kompromiss wie bei PR1 gefunden werden.

Die Kosten für die Nutzer
Nun wäre noch die Frage der zusätzlichen Kosten für die Nutzung des ÖPNV zu diskutieren. Schließlich müsste jeder, der den Umstieg vom kostenfreien Parken am Bahnhof zur Nutzung der P+R-Plätze und des ÖPVN realisiert, die damit verbundenen zusätzlichen ÖPNV-Kosten und ggf. P+R-Kosten tragen. Eine mögliche Lösung des Problems (eventuell auch nur vorübergehend, zum „Anfüttern“) bestünde darin, dass jedem Nutzer mit einer gültigen DB-Fahrkarte die kostenfreie Nutzung des innerstädtischen ÖPNV erlaubt wird.
Für Nutzer mit gültigem CV-Ticket sollte das Parken auf P+R-Plätzen auch kostenfrei sein.
Für Familien, die P+R nutzen wollen, wäre der Spaß trotzdem deutlich zu teuer. Eine 4-köpfige Familie müsste beispielsweise den Preis für das „Kombi-Ticket“ (P+R und 1x ÖPNV) plus 6 Mal den ÖPNV-Preis berappen (Hin und Rückfahrt). Das wäre deutlich teurer als Parken in der Innenstadt. Könnte hier möglicherweise eine Art „Familien-Ticket“ Anregung schaffen?

Ein weiteres Problem
Notwendige Voraussetzung für das Funktionieren von P+R-Systemen ist das Vorhandensein von freien Parktaschen bei Einfahrt eines Nutzers auf einen P+R-Platz. Wenn jedoch ein P+R-Platz von Anwohnern massiv als willkommener zusätzlicher bzw. kostenloser Parkplatz verwendet wird, wird das P+R-System nicht funktionieren. Das trifft insbesondere auf relativ kleine P+R-Plätze zu. Es ist also abzusichern, dass solche P+R-Plätze zumindest tagsüber tatsächlich nur den Nutzern des P+R-Systems zur Verfügung stehen, z.B. Nutzer mit gültigem Fahrausweis von Cottbusverkehr und Nutzer mit gültiger DB-Fahrkarte (siehe oben).

Fazit
Gegenwärtig existieren einige Parkplätze, die offensichtlich nur wenig als P+R-Plätze genutzt werden (PR1, PR5). Das mag u.a. an den fehlenden Hinweisschildern liegen, ist aber vermutlich nicht das Hauptargument. Höchstwahrscheinlich ist den Autofahrern das ÖPNV-Angebot einfach zu dünn. Das könnte sich ändern, wenn die Bahnhofs-Schleife einmal fertig ist, wodurch sich die Wege zwischen ÖPNV und Zug deutlich verkürzen werden. Noch wirksamer wäre es vermutlich, wenn die Fahrzeiten des ÖPNV minimiert werden. Die von uns vor längerem vorgeschlagene umfassende Durchsetzung der Vorrangschaltung könnte dazu wesentlich beitragen (siehe auch oben verlinkter Beitrag auf lr-online). Hoffen wir, dass Cottbusverkehr die dort angedeutete Untersuchung der ÖPNV-Bevorrechtigung auch realisiert, wenn die Baumaßnahmen in der Straße der Jugend im Herbst abgeschlossen sind.
Bessere Bedingungen für den Umstieg in andere Linien trügen weiterhin zur Effektivitätssteigerung des ÖPNV bei. Wir denken beispielsweise an den Umstieg aus Richtung Madlow/Sportzentrum an der Haltestelle Görlitzer Straße in Richtung Bahnhof (und umgekehrt). Dort sollte ein gesicherter Umstieg eingerichtet werden, um den Verlust der Direktverbindung vor einigen Jahren wettzumachen.
Eine Verringerung der Taktzeiten würde dieser Zielstellung ebenso dienen.

Sollte es tatsächlich gelingen, die Bürger vom P+R-Konzept zu überzeugen, würde die Stadt nicht nur bürger- und umweltfreundlicher sowie staubfreier werden, nein, auch die klamme Stadtkasse könnte infolge der Erhöhung des ÖPVN-Kostendeckungsgrades profitieren.
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