Straßenbahn oder Bus?


Ist der Bus eine echte Alternative?
Auf den ersten Blick scheint Bus-Verkehr natürlich eine echte Alternative zu sein, schließlich ist ein Bus weit billiger als eine Straßenbahn. Doch sind auch bei den modernen Bussen in den letzten Jahren die Preise erheblich gestiegen. Kostete ein normaler Gelenkbus laut PTV-Gutachten aus 2009 noch 340T€, ist ein Hybrid-Gelenkbus – der aus Umweltgründen ausschließlich in Frage kommt – heute unter 0,5 Mio€ kaum zu haben. Es ist somit festzustellen:
Eine Straßenbahn kostet rund fünfmal soviel wie ein moderner Bus.

Und die Folgekosten?
Folgende Kostenelemente ergeben jedoch trotzdem in Summe ein deutliches Plus für die Tram:
  1. Busse halten rund 8-10 Jahre, danach müssen sie ersetzt werden, Straßenbahnen dagegen erst nach 30 Jahren. Rechnet man die Preissteigerungsrate über 30 Jahre hinzu, dürften sich die Anschaffungskosten kaum unterscheiden.
  2. Der Umstieg von Tram auf Bus kostet Fahrgäste. Die unter Experten als "Schienenbonus" bezeichnete Erkenntnis, dass Menschen, vor allem ältere, lieber mit schienengebundenen Fahrzeugen unterwegs sind als mit Bussen, führt erfahrungsgemäß bei einem Umstieg auf Bus dazu, dass der Nahverkehrsbetrieb mit weniger Fahrgästen, sprich: Einnahme-Ausfällen, rechnen muss. Konkrete Zahlen für den Schienenbonus liegen nicht vor. Schätzungen gehen von 10% aus.
  3. Wenn Busse anstatt der Tram auf Strecken eingesetzt werden, die zur Zeit über einen gesonderten Gleiskörper verfügen, müssten die Busse auf den vorhandenen Straßen fahren, d.h. sie stehen an allen Ampeln und natürlich auch im Stau. Neben der daraus resultierenden Mehrbelastung für den übrigen Verkehr folgt eine Verlängerung der Fahrzeiten und daraus wiederum ein weiterer Verlust an Fahrgästen. Wenn diese Nachteile nicht in Kauf genommen werden sollen, müssen die Tram-Trassen zu Bus-Trassen (Schwerlast-Trassen) umgebaut werden. Aus diesem Bild geht hervor, dass es sich dabei um geschätzte 50% des Tram-Netzes (dicke Linien), also um rund 11 km handelt. Kosten in 2-stelliger Millionen-Höhe wären zu erwarten. Und mit Fördermitteln ist für eine derartige Maßnahme mit Sicherheit nicht zu rechnen.
  4. Im laufenden Betrieb fahren Straßenbahnen im Allgemeinen rentabler als Busse. So weist Cottbusverkehr für 2010 bei den Straßenbahnen einen Kostendeckungsgrad von ca. 68 % aus, bei den Stadt-Bussen nur rund 40 %.
    Auch die VCDB-Studie, die 2010 für Cottbus angefertigt wurde, weist für die Klinikumsschleife (siehe Bild) eine jährliche Einsparung von 400T€ gegenüber der jetzigen Bus-Lösung aus.
  5. Außer den Rückbau- bzw. Umbaukosten der Straßenbahn-Infrastruktur käme auf die Stadt die Rückzahlung der Fördermittel zu, die für die Rekonstruktion der Tram-Trassen an Cottbus gezahlt wurden.
Weitere Argumente pro Tram
  • Zweifellos hat die Straßenbahn nach ihrem Niedergang in den westlichen Industrieländern in den Jahren 1950-1970 international eine wahre Renaissance seit den 1990ern erlebt.
    Ausgesprochen eindrucksvoll wird das in der Dissertation von Dr. Groneck für Frankreich dargestellt.
    Aber auch in Deutschland wurde die Straßenbahn in vielen Städten umfangreich ausgebaut, beispielhaft seien nur Bremen, Braunschweig, Kassel, Karlsruhe und München genannt. In vielen Städten der neuen Bundesländer war dieser Trend nach der Wende ebenfalls sichtbar: in Gera, Rostock, Jena, Zwickau, Halle ...
    In Cottbus dagegen ist das Tram-Netz seit 1985 nicht verändert worden – viele neu entstandene Zentren (Beispiel: Lausitz-Park) werden durch die Tram nicht erschlossen.
    Sollte es uns da nicht zu denken geben, dass in Gera – einer Stadt mit etwa gleicher Einwohnerzahl wie Cottbus – der ÖPNV-Kostendeckungsgrad bei 80% liegt, in Cottbus dagegen bei 57% (2010)?
  • Die Feinstaub-Belastung ist bedeutend geringer als bei Bussen.
  • Der Ölpreis steigt weit schneller als der Strompreis. Und Strom wird mit heimischen Rohstoffen
    erzeugt – ob nun aus Kohle, durch Wind oder mittels Sonne.
  • Oft wird weiterhin das Argument bemüht, dass die Tram-Infrastruktur auch viel kostet. Stimmt. Aber man muss hier entgegnen, dass die schweren Busse halt die Straßen erheblich schädigen. Experten gehen davon aus, dass ein Bus die Straße so stark schädigt wie 50000-100000 PKW.
    Außerdem: Die Straßenbahner behaupten, dass ein sachgemäß verlegtes Tram-Gleis ("West-Material", keine "Russenschienen") in der Geraden bis zu 40 Jahre hält. Man sehe sich im Vergleich dazu die nach der Wende rekonstruierten Straßen an.
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