Chronologie zu den Ausbau- und Stilllegungsplänen


24. Juni 2009:
Die Cottbuser Stadtverordneten beschließen, dass "die Verwaltung" beauftragt wird, den Ersatz
der "Straßenbahnstrecken Bonnaskenplatz - Schmellwitz-Anger und Hauptbahnhof - Jessener Straße durch Busverkehr vorzubereiten." Der Verkehr auf der Linie 1 soll damit komplett eingestellt werden, zudem wurde ein Gutachten erstellt, das die komplette, schrittweise Stilllegung der Cottbuser Straßenbahn untersucht hat.

Zeit danach:
ProTramCottbus (PTC) initiiert ein Bürgerbegehren, das die Untersuchung der Wirtschaftlichkeit mehrerer Neubaustrecken zum Inhalt hat. Die dort enthaltenen Forderungen übernimmt die Stadtverwaltung und beauftragt die Firma VCDB mit einer entsprechenden Machbarkeitsstudie.
Und tatsächlich: Die Studie, datiert vom 18.08.2010, weist für die Neubaustrecke zum Carl-Thiem-Klinikum (CTK) einen Nutzen-Kosten-Faktor von 2,82 mit einem jährlichen Nutzen von 440.000 Euro nach. Damit scheint zunächst erst einmal der Weiterbetrieb der Straßenbahn als Ganzes und die akut geährdete Strecke zur Jessener Straße gesichert, denn über große Teile dieser Trasse führt die Schleife zum CTK. Eine Rettung für die Strecke nach Schmellwitz Anger scheint dies hingegen nicht zu sein.

Mai 2011:
Der Beschluss vom 24.06.2009 enthielt auch einen Passus zum Bau einer Tram-Schleife am Hauptbahnhof. Im Mai 2011 wird von der Stadtverwaltung ein dem entsprechender Plan vorgestellt. Er enthält auf neuer Trassenführung einen Anschluss an die Strecke zur Jessener Straße.

28. März 2012:
Die Stadtverordnetenversammlung beschließt, dass die Planung der Bahnhofsschleife in zwei Varianten erfolgen soll: Mit Weiche für den Anschluss an den Ast Jessener Straße und ohne Weiche. Gleichzeitig wird im Beschluss ausgeführt:
"Die verkehrliche Bedeutung des Gleisanschlusses ist direkt verbunden mit der Streckennetzerweiterung zum Carl-Thiem-Klinikum. Derzeit ist dieses Vorhaben finanziell nicht realisierbar. Der Gleisanschluss Vetschauer Straße/Richtung Jessener Straße wird so geplant, dass er nur im Zusammenhang mit dieser Maßnahme ausgeführt wird. Ohne diesen Gleisanschluss reduzieren sich die Finanzanteile Cottbusverkehr um 577.000 Euro Netto (inkl. Nebenkosten)."
Auf gut Deutsch: Keine Weiche, der Zweig Jessener Straße ist tot, die CTK-Schleife würde bei Realisierung teurer werden.
Man beruft sich unter anderem auch darauf, dass inzwischen nur noch etwa 500 Fahrgäste pro Tag die Strecke zur Jessener Straße nutzen. Bei vorherigen Argumentationen wurde mit einem mehrere Jahre alten Wert von 750 Fahrgästen pro Tag kalkuliert. Also ein Rückgang um ein Drittel? PTC sieht darin einen Beweis für den Schienenbonus, denn schließlich verkehrten zu dieser Zeit bedingt durch die Sanierung der Bahnhofstraße Busse zur Jessener Straße (und auch nach Schmellwitz Anger) - mit geänderter Linienführungüber die Bahnhofstraße, nur im 20-Minutentakt und damit ohne brauchbare Anschüsse zu anderen Linien der Stadt.

April bis Juni 2012:
PTC macht auf allen Ebenen Druck gegen diesen Beschluss: Brief an den OB, Brief an die Stadtverordneten, Stellungnahmen in der Presse. Eigentlich fehlt nur noch ein neues Bürgerbegehren. Nebenbei fragte sich PTC, ob denn ein derartiger Preis für eine Weiche tatsächlich gerechtfertigt sein könne.
In einem Antwortschreiben der Stadtverwaltung erfährt PTC, dass der Weiterbetrieb zur Jessener Straße bereits im Gutachten zur Netzerweiterung (von 2010) an die Neubaustrecke zum CTK geknüpft war und ein Anschluss beim Umbau des Bahnhofsvorplatzes nur im Zusammenhang mit dieser Neubaustrecke realisiert werden sollte. Man befolge also lediglich die damals getroffenen Empfehlungen, die auch die Einstellung nach Schmellwitz Anger befürworten. Dieser Passus sowie die Komplettfassung dieser Studie wurden nie veröffentlicht. Selbst auf mehrfache schriftliche Anfrage bekam auch PTC nie Einsicht in das komplette Gutachten.

26. Juli 2012:
Völlig überraschend führt die Lausitzer Rundschau (LR) aus:
"Erst vor einer Woche hatte der Aufsichtsrat des städtischen Verkehrsbetriebes sich für den Erhalt der Strecke ausgesprochen. Beim geplanten Umbau des Bahnhofsvorplatzes zum Verkehrsknoten muss deshalb nun auch eine neue Weiche eingebaut werden."
Haben die Proteste von PTC gewirkt? Scheint so! Zudem revidiert Cottbusverkehr die Zahl 500 Fahrgäste zur Jessener Straße und wartet mit einer neuen Zahl auf: 1000. Also eine Steigerung um ein Drittel im Vergleich zur alten Zahl von 750 und das trotz Schienenersatzverkehr?
Cottbusverkehr veröffentlicht zudem erste Pläne für die Linienführung ab Fahrplanwechsel Dezember 2015. Demnach soll die Linie 1 von Neu-Schmellwitz (bisher Linie 4) zur Jessener Straße verkehren. Die Linien 2 und 3 bleiben unverändert zwischen Sandow und Sachsendorf bzw. Ströbitz und Madlow. Für Schmellwitz Anger ist eine nicht näher beschriebene Buslinie eingeplant.

September 2012:
Laut LR vom 13. September 2012 hat inzwischen der Umweltausschuss der Stadtverordnetenversammlung den neuen-alten Plänen zugestimmt und sich für den Weiterbetrieb zur Jessener Straße, aber für die Einstellung nach Schmellwitz Anger ausgesprochen. Diese Entscheidung sollte dem normalen Menschenverstand nach richtungsweisend für die Abstimmung der Stadtverordnetenversammlung sein, die für den 26. September angesetzt ist.

25. September 2012:
PTC appelliert kurz vor der Abstimmung, die Entscheidung über die Einstellung nach Schmellwitz Anger auszusetzen und zuvor die Wiederinbetriebnahme im Winter 2012/2013 abzuwarten. In den drei Jahren bis zur geplanten Einstellung Ende 2015 könne noch so einiges passieren.
Wenn die 1 wieder als Straßenbahn im 15-Minutentakt und mit brauchbaren Anschlüssen an andere Linien verkehrt, sollte eine erneute Fahrgastzählung durchgeührt werden. Das schlechte Angebot auf dieser Strecke hat in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass die Fahrgastzahlen rapide eingebrochen sind (seit 1998 etwa halbiert), obwohl die angrenzenden Wohngebiete konstante, sogar leicht steigende Einwohnerzahlen vorweisen.

26. September 2012:
Die Stadtverordneten beschließen erwartungsgemäß den Bau der Bahnhofsschleife mit Anschluss des Zweiges Jessener Straße. Gleichzeitig beschließen sie aber auch die Stilllegung des Zweiges nach Schmellwitz Anger.

Frühjahr 2016:
In der 2016 vorgestellten Präsentation zu einem möglichen Liniennetz mit dem umgebauten Bahnhofsvorplatz ist schließlich auch eine Linie nach Schmellwitz Anger enthalten. Auf Nachfrage erfahren wir allerdings, dass der Stilllegungsbeschluss bisher nicht aufgehoben wurde.
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